fruit-tree concept

– motivation in the EFL classroom

Was ist das Fruit-Tree Konzept?

von Sue Vernon-Schad

http://independent.academia.edu/SueVernonSchad/Papers/1980113/Fruit-Tree_Concept_Storytelling_as_the_core_element_in_Art-CLIL_classes_especially_with_low_achievers_

Schlüsselwörter: CLIL, Kunst, Storytelling, leistungsschwache Lerner, Motivation, Multiliteracies, Sprachportfolio, Mehrsprachigkeit, Lehrerrolle, Hauptschule, Binnendifferenzierung, fachübergreifend, Multimedia, EU, Graphic Novels, Kreativität, Bilder, Organisation, Sprachbewusstsein, Transculturismus, Projekt, Kompetenzen, affektives Lernen.

 

CLIL (Content and Language Integrated Learning), auch bekannt als bilingualer Sachfachunterricht, wird oft als die eierlegende Wollmilchsau des Bildungssystems dargestellt. Wenn man aber näher hinschaut, sehen die Resultate nicht ganz so beeindruckend aus: die tollen Sprachleistungen werden von Schülern erbracht, die ohnehin als akademisch stark gelten – mit oder ohne neuartigen didaktischen Ansätzen. Betrachtet man aber die Sprachleistungen der Schüler am unteren Ende des akademischen Spektrums wird es klar, dass eine radikale Veränderung dringend benötigt wird, sollten wir wollen, dass wenn die Schüler das Bildungssystem verlassen, tatsächlich alle für das Leben im 21. Jahrhundert vorbereitet sind – eine kühne Vorstellung, wenn man bedenkt, dass die Wurzeln des Sprachunterrichts sich oft – im besten Fall – mitten im 20. Jahrhundert befinden. Wie könnte das anders sein, wenn fast 30% der Hauptschulsprachlehrer nur ihren eigenen Schulsprachunterricht als Vorbild haben[1]?

Die EU fordert demokratische und aktive Bürgerschaft, soziale Integration, eine positive Einstellung zum lebenslangen Lernen sowie die Fähigkeit sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Es wird noch zusätzlich verlangt, dass jeder EU-Bürger seine Muttersprache plus zwei europäische Sprachen sprechen kann: zurzeit verlassen einige Schüler unsere Schulen, die nicht mal eine wohlgeformte Sprache beherrschen. Es darf dann keine Überraschung sein, wenn mehr als 20% dieser Schüler die Hauptschule verlassen – nach mindestens 5 Jahren Englischunterricht – und können sich nicht mal auf dem untersten Niveau (A1) verständigen[2].

In dieser Arbeit wird die Entwicklung eines innovativen CLIL-Modells beschrieben und kritisch evaluiert, das ich Fruit-Tree („Obstbaum“) genannt habe. Es werden einige Vorschläge für einen verbesserten Sprachunterricht vorgestellt: Die Kunst- und Sprachunterrichtsstunden werden zusammengelegt, damit es mehr Sprachkontaktzeit im Stundenplan gibt. Das Kernthema der Einheit (6-10 Wochen) wird durch eine Geschichte oder Gedicht vorgegeben, woraus allerhand schülerorientierte Projekte entstehen können. In dieser Zeit werden jeweils zwei Hauptprojekte fertig gestellt, wobei ein Projekt sowohl künstlerische wie auch sprachliche Elemente umfasst: eine illustrierte Geschichte, ein Kurzfilm oder eine Aufführung. Durch die praktische Orientierung dieses Konzeptes, indem die Alltagssprache eine übergeordnete Rolle spielt, sowie eine Betonung auf das affektive, autonome Lernen gelegt wird, eignet sich das Modell zur Implementierung in die Hauptschule oder bei schwächeren Lernern der Gesamtschule – schließt allerdings die Anpassung an leistungsstärkere Schüler nicht aus. Das Konzept bietet ein hohes Maß an Aufgaben- und Projektflexibilität und trotzdem bleibt eine strukturelle Klarheit. Jeder Schüler kann innerhalb einer Vielfalt an Aufgaben  aussuchen, die ihn interessieren – die Einseitigkeit wird durch die Dokumentierung der Aufgaben auf einem Aufgabenübersichtsplan verhindert. Dieser Plan hilft der Lehrkraft die Übersicht der erledigten Aufgaben eines einzelnen Schülers zu behalten und zeitig einzugreifen oder zu beraten, sollten Schwierigkeiten auftreten.

Die Schülerschaft der Hauptschule umfasst nicht nur Schüler mit niedrigem IQ sondern auch Spätentwickelnde, Leistungsverweigerer und Schüler mit mangelnden deutschen Sprachkenntnissen. Das Modell kann nicht alle Probleme dieser Klientel lösen aber es kann eine geschützte Lernumgebung bieten, in der Schüler die Fremdsprache in ihrer Zeit lernen können (Binnendifferenzierung), ohne mit ständigen Sprachregeln konfrontiert zu werden. Grammatikregeln und –Übungen wären vorhanden, stehen aber nicht im Vordergrund, und werden präsentiert als Aufgaben zur Entwicklung des Sprachbewusstseins; als Hilfe die Sprache selbst zu produzieren. Es wird empfohlen, dass die Sprachentwicklung zum Halbjahr in einem Sprachportfolio dokumentiert wird. Die Lehrkraft wird aus der zentralen Rolle entlassen und darf trotz der bestehenden Rolle des Managers und Ermutigers und darf Mitlernende und Entdecker werden.

Ich behaupte, dass dieses Konzept einen Mehrwert für den Unterricht bedeutet. Auch herkömmlichen CLIL-Konzepte nehmen diesen Mehrwert für sich in Anspruch, den ich ihnen aber nach Einsicht sämtliche Studien abspreche. Allerdings ist es mir ein Rätsel, wie man kulturelle Begebenheiten oder andere gesellschaftliche Perspektiven im Biologieunterricht vermitteln will. Künstlerische Tätigkeiten, laut der neuesten soziologischen Forschung, bieten die Möglichkeiten soziale Beziehungen zu fördern. Durch das Web 2.0 wird der soziale und kulturelle Horizont um ein vielfaches erweitert und dieses Feld bietet den optimalen Boden, um die Multiliteracies zu entwickeln; die Fertigkeiten die Vielfalt vorhandener Informationen zu verstehen, kritisch zu beurteilen und zu verarbeiten.

Im Kunst-CLIL Unterricht kann man auch fachübergreifend arbeiten: Wenn es einem Schüler gefällt, könnte er durchaus ein Poster über die Funktionen des Auges anfertigen oder auch ein Bild von einer Moschee malen und – auch in vereinfachter Form – Informationen in einer Präsentation vermitteln. Die zwei Fächer konkurrieren auch nicht, wenn es um die Vergabe von Noten geht. Wenn man den Sachinhalt nicht richtig verstanden hat, weil es sprachliche Schwierigkeiten gegeben hat, wird auch die Note im Sachfach schlechter: das kann in Kunst nicht passieren, da die kreativen Darbietungen beurteilt werden.

Durch die ganze Arbeit habe ich ein Augenmerk auf die Rolle der Lehrkraft: an mehreren Stellen wurde diese Rolle als eine Schwachstelle in Bezug auf CLIL-Unterricht genannt. Die Lehrkräfte hatten oft kein passendes Zweitfach studiert, das in einer Fremdsprache unterrichtet werden konnte oder ihr war die Fachsprache  nicht geläufig, was unter normalen Umständen nicht verwerflich ist. Es gibt nur wenig CLIL-Material und einige Lehrkräfte fühlten sich zeitlich und/oder fachlich überfordert, eigenes Material zu entwickeln. Ich habe die Rolle der Lehrkräfte untersucht – sowohl den Ist-Zustand in der DESI-Studie (2006) als auch in der Literatur. Ich habe auch den Diskurs der EU-CLIL Berater bezüglich der kompetenten CLIL-Lehrkraft dargestellt, der zur verbesserten Lehrerausbildung führen sollte.

In dieser Arbeit werden nicht nur probeweise eingesetzte Pilotprojekte und Studien dargestellt, sondern ich beschreibe und evaluiere auch eigene Projekte. Sie basieren auf Graphic Novels und wurden weiter entwickelt. Diese habe ich selbst im Rahmen meiner Lehrtätigkeit an einer Gesamtschule durchgeführt. Die Lösungen für die Schwierigkeiten und Schwachstellen, die ich erfahren habe, werden im Fruit-Tree-Konzept berücksichtigt. Allerdings kann keine Methode eine qualifizierte Lehrkraft ersetzen aber eine begeisterte, fähige Lehrkraft kann fast jedes Programm effektiv machen[3].


[1] DESI-Studie (2006).

[2] ebd.

[3]cf.  Kiely, R.(2009). Small answers to the big question: Learning from language  programme evaluation, Language Teaching Research 13/1, pp-116.

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